Sommerhitze – Risiken für Frühstücksmuffel

Die Sommerhitze verdirbt den Appetit. Doch weltweit wird insgesamt immer seltener gefrühstückt – zumindest während der Woche. Steigen damit nicht auch die Risiken für Konzentrationsschwäche, Muskelabbau und Jo-Jo-Effekt?

Wer frühstück noch in Europa?

Ein Ländervergleich der UNICEF 2007 zeigt, nur noch 40% der Menschen in den Non-OECD Nationen Slovenien und Israel nehmen noch ein Frühstück ein, während in Russland und den baltischen Staaten noch ca. 70% morgens herzhaft zugreifen. Ist die Sommerhitze der Grund dafür? Bei den OECD-Ländern steht Griechenland mit 48% am Ende der Skala. Die Vermutung es könnte also an heißen Temperaturen im Sommer liegen passt nicht, denn Portugal liegt mit 81% Frühstückshungrigen an der Spitze. Deutschland belegt mit 68% Noch-Frühstücker das Mittelfeld. Was sollen da die Kinder machen – ebenfalls ohne Frühstück in die Schule gehen?

Frühstücker haben geringere Krankheitsraten

Das Frühstück deckt ca. 25% des Nährstoffbedarfs, bei einem bunt-körnigem Frühstück werden damit 30-40% der Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralien, Spurenelemente) gedeckt. Das ist bedeutsam für die Leistungsfähigkeit und bei Kindern auch für das Wachstum. Bei Erwachsenen mit erhöhtem Cholesterinspiegel wird nur zu oft die „Vererbung“ verdächtigt und sogleich ein Cholesterinsenker verschrieben. Bei einer individuellen Ernährungsberatung hingegen hat man Zeit, über den Alltag zu sprechen und entdeckt dabei, dass lange Esspausen und das Auslassen von Mahlzeiten auf biochemischer Ebene zu Veränderungen in Zellmembranen und Signalleitung und so zu einer Erhöhung von Gesamtcholesterin und LDL beitragen können (Kleemola 1999, Farshchi 2005). Die Langzeitfolgen eines erhöhten Cholesterinspiegels sind Arteriosklerose (Arterienverkalkung) sowie deren Spätfolgen (Herzinfarkt, Schlaganfall). Studien haben gezeigt, dass Menschen mit regelmäßigem Frühstück eine geringere Krankheitsrate sowie niedrigere Sterblichkeit bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen (Timlin 2007, Liu 2003)

Mahlzeitenskipping – das ist riskant

Das Auslassen des Frühstücks ist ein starker Indikator dafür, dass gerne auch mal andere Mahlzeiten übersprungen werden (Sjöberg 2003)“. Mahlzeitenskipping korreliert jedoch mit Übergewicht und insbesondere der Bauchspeck wächst dadurch stärker. Bei einem Taillenumfang über 88 cm bei Frauen und über 102 cm bei Männern erhöht dies das Risiko für eine Zuckerstoffwechselstörung oder dem Metabolischem Syndrom deutlich.

Grund genug also, dem Frühstück etwas mehr Bedeutung zu widmen. Ein typisch britisch-amerikanisches Frühstück mit Bacon n’eggs, Crunchy oder Schokomüsli weisen ein ungünstiges Nährstoffverhältnis mit hohem Gesamtfettgehalt, wenig Ballaststoffen und noch weniger Eisen und Calcium auf.

So geht ein flottes Frühstück

Das Frühstück nördlich der Alpen mit Vollkornbrot und Kräuterquark oder dünn geschnittenem Almkäse, Müsli und frischem Obst (oder gekochtem Getreide mit Trockenobst im Winter), liefert ein sehr ausgewogenes Verhältnis von Mikronährstoffen und Protein; Nüsse liefern wertvolle ungesättigte Fettsäuren und zudem noch viele B-Vitamine für das ‚Nervenkostüm‘. So ein Frühstück, auch in kleinem Ausmaß ist ein ideales Brainfood. Gerade Hafer und Getreide mit hohem Ausmahlungsgrad z.B. dunkles Roggenbrot, bieten besonders funktionale Ballaststoffe für die Darmgesundheit (M. Frech 2015). Bemerkenswert ist dabei auch, dass durch die Kombination mit fettarmen Milchprodukten wie Joghurt, Dickmilch, Buttermilch, Hüttenkäse etc. über ein Drittel des Bedarfs an Calciumbedarf und Vitamin B2 (wichtig für Muskel- und Energiestoffwechsel) aufgenommen werden können. Echter Almkäse von grasfressenden Kühen enthält bis zu 300% mehr omega-3-Fettsäuren als Käse aus Milch mit Stallhaltung. Die positive Wirkung von omega-3-Fettsäuren zur Blutdrucksenkung und Reduktion von Entzündungen ist gut belegt.

Gerade die kleinen Mahlzeiten wie Frühstück und Vesper stellen durch ihre einfache Handhabung für Kinder DAS ideale Lernfeld dar: sie üben dabei, wie eine vollwertige Speise selbstbestimmt und vielfältig kombiniert werden kann, wie verschiedene Obst- und Getreidesorten schmecken. Und nicht zur die Zutaten bei Frühstück oder Zwischenmahlzeit können gesundheitsförderlich sein, sondern das Ganze drumrum: Tauschen Sie doch mal Ihre Brotsorten und Milchprodukte untereinander – denn, schmeckend entwickelt sich Gedächtnis und soziales Miteinander, also die ganze Bandbreite an kognitiven Fähigkeiten die uns ganz einfach gesund halten.

(Bildquelle: Vesperbox-5amtag_kids_16)

Literatur:

Ehrlich Maria, Fettsäurenzusammensetzung (CLA, Omega-3-Fettsäuren) und Isotopensignatur (C) der Milch ökologischer und konventioneller Betriebe und Molkereien, Masterarbeit 2007, Witzenhausen, Betreuer Hofstetter, Martin; Poppinga, Onno; Schüler, Christian.

Young, Hayley A.; Benton, David. Heart-rate variability. A biomarker to study the influence of nutrition on physiological and psychological health? 2018. DOI:10.1097/FBP.0000000000000383